Jadvihin Š.

Hundedienst

Nicht selten sagte jemand - und vielleicht haben Sie es auch schon einmal gehört: "Ein ekelhafter Dienst, dieser Hundedienst!" Ich fragte mich dann jedes Mal: Was für ein Dienst mag das wohl sein? Doch wie auch immer, vom Hund aus ist er sicher nicht ekelhaft, denn der Hund ist ja der beste Freund des Menschen und treuester Diener seines Herrn. Dass der Dienst am Menschen ekelhaft und ein Hundedienst sein soll, das wollte mir ganz und gar nicht in den Kopf. Vielleicht ist der Dienst schwer, sicherlich sehr schwer, aber bestimmt nicht ekelhaft, denn Arbeit schändet nicht.

Neulich hielt ich mich zufällig in der Stadt auf und übernachtete bei einem Freund. Am anderen Morgen gingen wir auf die Straße und plauderten vor der Tür, als plötzlich einige Burschen lärmend und krakeelend dahergelaufen kamen, auch ein Erwachsener rannte mit, so schnell er nur konnte; hinterdrein rasten einige Kinder. Wo sie einen Hund erblickten, jagten sie ihn davon, dass der Staub nur so hoch wirbelte. Als ich das bemerkte, riss ich die Augen auf, begriff aber nicht, was da vor sich ging. Mit einem Male sah ich einen Wagen näher kommen - nein, es war eher ein Stall, auch eigentlich kein Stall, sondern vielmehr ein großer eiserner Käfig. Auf diesem Käfig saß ein junger Bursche, der das Pferd antrieb, an beiden Seiten hielten sich zwei Jungen fest, mit großen Peitschen in der Hand, die wie Angelruten aussahen. Im Käfig saßen etwa zehn Hunde, kleine und große, in allen Schattierungen, und ein nicht sehr großer zottiger Hund lief hinter dem Wagen her.

"Was bedeutet das, mein Freund?", fragte ich meinen Bekannten.

"Das sind Schinder", sagte er, "sie fangen streunende Hunde ein. Der Haufen, der da mit Lärm und Geschrei vorweg rannte, das waren eben Menschen, sie haben ein gutes Herz und vertreiben die Hunde, damit sie den Schindern nicht in die Pfoten fallen".

"Und was ist mit dem, der da hinterherläuft", fragte ich, "warum läuft er frei herum?"

"Der", sagte mein Freund, "der ist für die Schinder der allerwichtigste. Das ist der Lockspitzel. Er schleicht durch die Straßen, um mit seinesgleichen Bekanntschaft zu suchen. Wenn er einen Hund entdeckt hat, läuft er auf ihn zu, beschnuppert ihn von allen Seiten und wedelt freudig mit dem Schwanz. Er frohlockt über jeden neuen Artgenossen, dass ihm die Zunge aus dem Maul hängt. Im selben Augenblick machen sich die Schinder mit Peitschen über den neuen Freund her, und dann geht es ab mit ihm in den eisernen Käfig!.. Jener zottige Judas aber tut, als sei nichts geschehen: Er zieht den Schwanz ein, lässt die Schnauze und hängen läuft weiter. Dabei spitzt er die Ohren, blinzelt mit den Augen und sucht nach einer neuen Gelegenheit".

"So, meine Lieben, sieht also dieser Hundedienst aus - er wirklich ekelhaft. Dafür werden sich wohl nur wenige Hunde finden lassen".

 

1909




Крыніца: Belarussische Erzählungen. Minsk, Bellitfond Verlag, 2000.
Übersetzung: Klaus Müller

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