Jakub Kolas

Der zu dicke Kloben

I
II
III
IV
V
VI


 

I

 

"Ich bringe ihn um! Und wenn man mich ins Zuchthaus steckt, ich drehe ihm den Hals um!"

Pauluk Tryvaj rannte wutschnaubend durchs Zimmer und schleuderte voller Zorn seine Fäustlinge auf die Bank.

Seine Frau stand wie versteinert am Ofen, die Topfgabel in der Hand. Der dünne Mehlbrei kochte über, doch sie starrte reglos ihren Mann an, um herauszufinden, wer ihn so erzürnt hatte.

Er kam vom Holzholen. Musste denn auch der Teufel gerade zu der Zeit den Waldwächter in die Försterei führen? Er hatte in Pauluks Holz einen Baumstamm entdeckt, der dicker war als erlaubt, und ihm daraufhin die ganze Fuhre umgekippt.

"Der Schlag soll ihn treffen, diesen ausgekochten Lumpen! Den Verstand soll er verlieren!"

Pauluk konnte sich nicht beruhigen.

"Meinst du Sutschynski?", fragte ihn seine Frau.

"Natürlich, wen denn sonst!"

"So ein gemeiner Kerl! Er liebedienert vor der Obrigkeit wie ein rechter Hund. Aber den holt noch mal der Teufel, diesen Landstreicher! Er will sich beim Fürsten einschmeicheln, deshalb reißt er das Maul auf!"

Pauluk fasste sich ein wenig. Er setzte sich an den Tisch vor die Schüssel mit dem heißen Kwass und dachte angestrengt nach. Seine Kinnladen bewegten sich wie Mühlsteine.

Er überlegte, wie er Sutschynski eins auswischen und ihm die Sache mit dem Kloben heimzahlen konnte.

 

II

 

Eine Woche verging, aber Pauluks Wut auf den Waldwächter Sutschynski verrauchte nicht. Wie sollte sie auch? Warf er dem Pferd morgens Heu hin, geriet ihm gewiss ein Holzklotz unter die Füße und erinnerte ihn an den Vorfall in der Försterei. Was er auch tat, immer fiel ihm der verfluchte Kloben wieder ein. Besuchte er den Nachbarn, dann sägte der im Schuppen Holz, und trat er ins Haus, dann sagte die Nachbarin scheinbar absichtlich: "Was soll ich denn mit diesem dicken Scheit? Es passt doch gar nicht in den Ofen!"

Auf der Straße warf bestimmt gerade ein Hundefänger ein Stück Holz nach einem streunenden Köter. Holzscheite, Holzscheite, überall Holzscheite! Gab es denn auf der Welt nichts anderes mehr? Selbst in der Nacht sah Pauluk nur noch dicke Kloben.

"Warte nur, du Schuft! Das sollst du mir büßen!" presste er durch die Zähne und wälzte sich auf die andere Seite.

"Mama!", rief da sein kleiner Sohn aus der Ecke. "Ich rolle immerzu vom Strohsack, kann ich mir nicht was unterlegen?"

"Such dir am Ofen einen Scheit!", erwiderte die Mutter unter den schäbigen Decken.

Pauluk machte eine unwillige Bewegung und ächzte wie ein gefesselter alter Hammel beim Scheren. Der Junge kramte am Ofen.

"Weiß der Teufel, hier liegt nur so dünnes Zeug!", maulte er. "Ich brauche was Dickeres!"

"Wirst du dich jetzt hinlegen!", schimpfte Pauluk und hob den Kopf. Der Junge rannte zu seiner Schlafstätte und verursachte mit den Holzstücken einen Heidenlärm.

Wieder musste Pauluk an Sutschynski denken. Wütend knirschte er mit den Zähnen.

"Was hast du denn?", fragte seine Frau neben ihm.

"Mir tut plötzlich so 'n verdammter Zahn weh", log er und wandte sich ab.

"Spül mal mit kaltem Wasser, es steht vor der Tür auf einem Holzklotz", riet seine Frau.

"Schlaf lieber!", knurrte Pauluk.

Allmählich trat Stille ein, der Schlummer übermannte die drei.

Pauluk vergaß auch im Schlaf den verdammten Kloben nicht. Ihm träumte, er fahre Holz aus dem Wald nach Hause. Da begegnete ihm Sutschynski. Wortlos ging Pauluk auf ihn zu und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Ein Kampf entbrannte. Sie stürzten zu Boden, und der Waldwächter fiel mit seinem ganzen Gewicht quer über Pauluks Beine. Pauluk wollte sie vorziehen, aber er schaffte es nicht: Sutschynski hatte sich unversehens in einen dicken runden Baumstamm verwandelt. Pauluk quälte sich, Schweiß brach ihm aus. Mit letzter Kraft zerrte er an seinen Beinen.

Da stieß ihn seine Frau an. Er fuhr hoch.

"Was ist?", fragte er.

"Warum zappelst du denn so? Du trittst mir ja gegen die Schienbeine!"

"Ach was! Ich hätte mir beinahe die Füße verrenkt!"

 

III

 

Es war noch früh - die Teufel standen noch nicht zum täglichen Faustkampf bereit. Nachdem sich Pauluk von dem "Baumstamm" befreit hatte, schloss er wieder die Augen, aber er konnte nicht mehr einschlafen.

Er erhob sich, zog sich an, schlüpfte in seine Bastschuhe und ging zur Tenne. Eine halbe Stunde später ertönten von dort die rhythmischen Schläge eines einsamen Dreschflegels. Pauluk hatte sich acht Roggengarben zurechtgelegt, paarweise, die Ähren jeweils aneinander. Er schlug auf die erste Garbe ein, trat mitunter einen Schritt zurück, um besser zu treffen, und rückte doch langsam, aber stetig vor bis zur letzten. Dann ließ er den Flegel noch ein paar Mal leicht niederfallen, bückte sich, schlug die Ähren auf den Fußboden, drehte sie um und begann von vorn. Schließlich löste er die Garbenbänder, warf das leere Stroh zur Seite und legte neue Bündel hin. Wieder drosch er, schüttelte aus, wendete und so weiter, bis er abermals eine Reihe fertig hatte.

Während er arbeitete, regten sich allerlei Gedanken in seinem Kopf. Der Traum wollte ihm nicht aus dem Sinn, und er überlegte, wie er dem Waldwächter eine tüchtige Tracht Prügel verpassen könnte. Als habe er Sutschynski vor sich, schwang er den Dreschflegel, dass die Ähren nur so sprangen. Beim Zubinden der Säcke zerrte er so heftig an den Stricken, als schnüre er seinem Feind den Hals ab. Immerfort sann er darüber nach, wie er dem Waldwächter beikommen könnte.

Sollte er ihm im Wald auflauern? Aber wann würde Sutschynski dort hinkommen, und würden sie beide allein sein? Zeugen konnte man dabei nicht gebrauchen.

Oder sollte er die Rekruten überreden, ihn windelweich zu schlagen, bevor sie zur Armee einrückten? Dazu musste er mindestens drei Liter Schnaps ausgeben, außerdem würden wahrscheinlich auch andere von dem Komplott erfahren. Nein, wennschon, dann musste die Sache sehr geschickt eingefädelt werden.

Aber wie?

Von neuem arbeitete Pauluks Hirn, um ein Fangnetz für Sutschynski zu knüpfen.

Ob er ihm einfach das Haus anzündete? Feuer zu legen war keine Kunst, doch würde es ihm gelingen, alle Spuren zu verwischen? Und was verlor Sutschynski schon dabei? Das Haus gehörte dem Staat, der würde die Versicherung einstreichen und sich noch dafür bedanken. Und wurde er, Pauluk, gefasst, dann war er sein bisschen Habe schnell los. Bei dem Gedanken, wie Trachim Skaratsch verprügelt und wegen Brandstiftung verurteilt worden war, packte ihn die Angst. Nein, so ging es auch nicht. Noch viele Möglichkeiten fielen ihm ein, aber keine befriedigte ihn.

 

IV

 

Den ganzen Morgen hatte er nicht die rechte Idee, was ihn aufs neue verärgerte. Ohne es zu ahnen, half ihm unversehens sein Nachbar Sciopka Navoj.

Es war ein Montag. Sciopka wollte sich ein Kornmaß ausleihen und kam herüber. Er blieb eine Weile, um mit Pauluk zu plaudern.

Der Nachbar war am Sonntag auf dem Markt gewesen, um mit seiner Frau Flachs einzukaufen. Er erzählte, wie ein paar Bauern in Chackiels Gaststube den Gendarmen verprügelt hatten. Piatrus Kamar aus Jablanouka und Mikita Traciak aus Malaja-Slabodka waren bei Chackiel eingekehrt, um ein Gläschen zu trinken. Grund genug gibt's dafür immer. Wie nun beide so da saßen, kam der Gendarm rein, setzte sich zu ihnen und blieb kleben wie eine Zecke am Hundeohr. Na, wer jagt denn einen Menschen vom Tisch - sie schenkten auch ihm einen ein, denn ein Schnaps tut jedem Magen gut, und der Gendarm war in dieser Hinsicht kein Kostverächter; es ging ja nicht auf seine Rechnung.

Sie tranken eine Halbliterflasche aus, dann noch eine. Die Zungen lösten sich, und bald stach sie der Hafer.

"Na, was ist?", sagte Mikita zum Gendarmen. "Du hast mit uns getrunken, jetzt spendier du auch mal".

"Weißt du denn, mit wem du sprichst?", fragte der Gendarm.

"Man braucht doch nur deine Visage zu sehen, um zu wissen, was du für einer bist", antwortete Mikita, die Hand in die linke Hüfte gestemmt.

Ein Wort gab das andere, und schließlich kam es zu einer Schlägerei. Der Gendarm wollte seinen Säbel ziehen, doch Piatrus presste ihm die Schultern zusammen.

"Dein Eisen hilft dir gar nichts", sagte er. Mikita und er warfen den Gendarmen zu Boden und schlugen auf ihn ein. Sie verdroschen ihn gründlich, und am Ende schnitt Mikita ihm noch den Säbelriemen ab.

"So was fehlt mir gerade für meine Bastschuhe", sagte er.

Pauluk hatte gespannt zugehört.

"Und stellt man sie nun vor Gericht?", fragte er.

"Vor Gericht? Woher denn! Ein paar Betrunkene haben sich geprügelt, und damit basta", erwiderte der Nachbar.

Da lebte Pauluk auf: Plötzlich hatte er den Einfall, nach dem er so lange gesucht hatte.

 

V

 

Der Weg war gefunden. Jetzt musste er nur an einem Markttag den Waldwächter unter einem Vorwand zu Chackiel oder Kac locken und ihn betrunken machen, dann konnte er mit ihm abrechnen.

Gleich am nächsten Sonntag steckte er einen halben Rubel für den Schnaps ein, den er mit Sutschynski zu trinken gedachte, und spannte das Pferd an. Es war ihm unbehaglich zumute, und sein Ärger schwand zusehends. Am liebsten hätte er die ganze Geschichte auf sich beruhen lassen. Doch da rief ihm seine Frau, gerade als er vom Hof fuhr, noch nach: "Fahr beim Forstrevier vorbei und hol dir einen Holzschein! Wir haben bald nichts mehr zum Heizen, das letzte Mal bist du ja leer zurückgekommen!"

Pauluk fühlte einen heftigen Stich.

"Ja, richtig! Das hätte ich beinahe vergessen!", erwiderte er. Seine Hand tastete nach dem in einen Lappen geknoteten halben Rubel, der eine so wichtige Aufgabe erfüllen sollte. Ein zweiter Knoten enthielt zwei Fünfzehnkopekenstücke für Grieß, einen Zwanziger für Heringe, noch einen Fünfzehner für Salz und Petroleum, zwei Fünfer und vier Zweier für Schweinekraftfutter und ein paar Kupfermünzen für Tabak und Streichhölzer. Wie sollte er den Holzschein bezahlen? Mit dem halben Rubel? Einen Augenblick dachte er nach, dann schlug er mit der Peitsche auf das Pferd ein und fuhr zornig davon. Seine Ruhe war hin, wieder sah er den dicken Kloben vor sich, seine Holzfuhre, den Waldwächter und die Szene in der Försterei.

"Und wenn du in die Erde versinkst, ich kriege dich zu fassen! Du sollst an diesen Holzklotz denken, so kommst du mir nicht davon!", knurrte er und ballte die Hand zur Faust.

Trübe Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Auch um ihn herum wirkte alles unfreundlich und feindselig. Ein eisiger Wind fegte den Schnee von den Hügeln und legte ihre sandigen Abhänge bloß. Die verwaisten Birnbäume auf den Feldrainen zitterten mit ihren kahlen Ästen in der Kälte wie fröstelnde alte Frauen. Starr und stumm lagen einzelne große Steine auf den Feldern, erfrorenen Schweinen gleich.

"Die kümmert nichts, weder Hitze noch Kälte. Sie bleiben auf dem Acker liegen und beklagen sich nicht über ihr Schicksal!", dachte Pauluk.

Die jungen Fichten reckten ihre grünen Spitzen über das verschneite Feld; träge hoben und senkten sie ihre plumpen Zweige. Im Wald wurde die Straße ebener. Der Gaul schnaubte froh und stapfte mit seinen dicken Hufen rasch voran. Das eintönige Rauschen der Bäume besänftigte Pauluk. Er holte den Tabaksbeutel hervor - ein Geschenk seiner Frau aus ihrer Brautzeit -, stopfte seine Pfeife, schlug Feuer und setzte sie in Brand. Kräuselnd stieg bläulicher Rauch in die frische Luft und zerflatterte rasch zusammen mit den schweren Gedanken. Pauluk hatte mit seinem festen Ziel jetzt auch seine Ruhe wiedergewonnen.

"Es kann nichts schaden, wenn ich dem Burschen eine Lehre erteile", schloss er sein Sinnen über Sutschynski ab und trieb das Pferd energisch an.

 

VI

 

Schon eine halbe Werst vor dem Städtchen begegnete ihm eine Händlerin mit drei Hähnen unter dem Arm. Sie fragte ihn: "He, hast du was zu verkaufen?"

Pauluk sah sie an, erwiderte jedoch nichts. Wie Ameisen kamen von allen Seiten Schlitten und Fuhrwerke mit verschiedenen Waren. In der Stadt wimmelte es bereits von ihnen. Pauluk lenkte sein Pferd durch das Gewühl zu einer Stelle, wo sich schon Männer und Frauen aus seinem Dorf versammelt hatten. Antos Dubok stand neben seinem Schlitten, die Hände in den Taschen und die Pfeife zwischen den Zähnen. Laut lachend erzählte er etwas und forderte jeden, der ihm nicht glaubte, unbekümmert auf: "Wollen wir wetten?"

Darauf ließ sich jedoch niemand ein, man riet ihm vielmehr geradeheraus, mit seinen Weisheiten ein wenig hinter dem Berg zu halten.

"Ach so!", rief Antos schmunzelnd. "Ihr habt Angst!" Er streckte seinen Bauch vor, der rund war wie ein Futtertrog, warf den Kopf zurück und lachte noch lauter.

Pauluk hielt an, spannte das Pferd aus, hängte ihm den Häckselbeutel vor und sah sich um. Die Menschen drängten sich auf dem Platz, aber der eigentliche Handel hatte noch nicht begonnen. In dem Durcheinander bildeten sich einzelne kleine Märkte heraus. Jedes Dorf hatte seinen besonderen Platz, wo es seine Waren ablud. An einer Stelle konnte man Zuber, Kübel und Kornmaße kaufen, an einer anderen - Holz und Bretter, an einer dritten - Flachs und einer vierten Getreide. Mitten auf dem Markt gab es Töpfe, Schüsseln, Krüge und Löffel, und ganz in der Nähe bot ein primitiver Heiligenbildmaler Ikonen und Bücher feil.

Das Geschrei der Menschen verschmolz mit den verschiedensten Tierstimmen zu einem allgemeinen wirren Lärm. Blaue Mützen und rote Schnüre setzten der Menge bunte Farbtupfer auf.

Allmählich kam auch der Handel in Gang. Kaufleute und Zwischenhändler drängten sich durch die Wagenreihen. Hier und da bildeten sich einzelne Grüppchen. Ein graubärtiger Verkäufer feilschte so erbittert, schrie so laut und schlug sich so heftig mit der Faust auf die Brust, als habe man ihm eine tödliche Beleidigung zugefügt. Einige Frauen suchten vor den Ständen nach ihren Männern; immer wieder hörte man mal eine fragen: "Habt ihr meinen Hryhor nicht gesehen?"

Hryhor aber saß zu der Zeit schon mit glasigen Augen bei einer Flasche. Irgendwo schrie ein Betrunkener durchdringend: "Du bist mein allerbester Freund!", und ein anderer schimpfte heiser mit den unflätigsten Ausdrücken, im nächsten Augenblick jedoch fiel er dem ersten besten mit dem Ruf: "Bruderherz!" um den Hals.

Das alles kümmerte Pauluk nicht. Er stand allein und hielt sorgsam nach einer grünen Mütze Ausschau. Drei Förster hatte er bereits für den Waldwächter gehalten, und jedes Mal war es ihm heiß über den Rücken gelaufen.

"Wo versteckt sich dieser Hund?", fragte er sich." Oh, da ist er ja!"

Er erschrak: Sutschynski stand drei Schritt von ihm entfernt.

Nach einem vorsichtigen Seitenblick ging Pauluk mutig auf ihn zu. Längst hatte er sich einschmeichelnde Worte zurechtgelegt, mit denen er seinen Feind in die abgelegenen Schenke von Schwarz locken wollte, wo die leidenschaftlichsten Trinker zusammenkamen.

"Ich hätte gern mal mit dem Herrn gesprochen", sagte er, bemüht, eine möglichst harmlose und freundschaftliche Miene aufzusetzen.

"Worüber denn?", fragte der Waldwächter.

"Ja, also...", Pauluk wurde ein bisschen verlegen und sah sich ängstlich nach allen Seiten um. "Könnten wir nicht irgendwo reingehen?"

"Wohin?"

"Vielleicht zu Schwarz?"

Sutschynski witterte sogleich den Schnaps und stimmte zu. Pauluk ging voraus, der Waldwächter folgte ihm.

Alle Räume bei Schwarz waren voll besetzt. Auf dem Fußboden lagen Flaschenkorken, es roch nach Schnaps und Hering.

Pauluk wählte einen dunklen Winkel und ließ den Waldwächter für einen Augenblick allein, um zu bestellen.

Während der Wirt den Schnaps abfüllte und den Imbiss zurechtmachte, redeten die beiden Männer von belanglosen Dingen: von der allgemeinen Teuerung, vom Sittenverfall, von den alten Zeiten und dergleichen mehr.

Schwarz brachte einen Krug, zwei Gläser und zwei Heringe auf einem Teller.

Pauluk goss ein.

"Zum Wohl!" sagte er, hob das Glas und nickte dem Waldwächter zu. Während er trank, sah er ihn an und ballte die Faust unter dem Tisch.

Sutschynski wollte mit der Gabel nach einem Hering langen, doch Pauluk goss zum zweitenmal ein.

"Wer isst denn schon nach dem ersten Glas? Zum Wohl!"

Sie tranken noch einen.

Der Schnaps erwärmte Pauluk, und ein behagliches Gefühl durchrieselte seinen Körper. Als der Krug zur Hälfte leer war, wurde ihm froh zumute. Plötzlich sah er die Menschen mit anderen Augen an, und sein Leben erschien ihm leicht und angenehm.

"Trotzdem zerschlage ich dir das Maul, bei Gott!", dachte er und kniff sich in den Schenkel.

Wieder tranken sie.

"Jetzt müsste ich ihn mir vornehmen!", überlegte Pauluk weiter. "Nein, erst trinke ich noch einen!" Und wieder schenkte er ein.

"Weißt du Halunke, dass du mir in der Kehle steckst? Hier!" Das wollte er sagen und auf seinen Hals zeigen. Aber er tat es nicht.

Auch der Waldwächter war in bester Laune. Sie saßen zusammen und hoben immer von neuem die Gläser wie die besten Freunde.

"Schwarz! Schwarz!", rief Pauluk. "Bring uns noch einen Halben!" Er meinte, sich noch mehr Wut antrinken zu müssen. "Trotz allem schlage ich ihm die Schnauze ein!", dachte er mit einem Blick auf sein Gegenüber.

Noch war der neue Halbe nicht ausgetrunken, da umarmte Pauluk den Waldwächter und sprach: "Du bist ein Hund, ein Nichtstuer und ein Schwein, und ich werde dir die Schnauze einschlagen, aber ich liebe dich!"

Und als er die Schenke fast auf allen vieren verließ, lallte er: "Ich... ich drehe ihm doch noch den Hals um!"

 

1913




Крыніца: Belarussische Erzählungen. Minsk, Bellitfond Verlag, 2000.
Übersetzung: Hartmut Herboth

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